Kinderjacken mit Brandflecken

1971 hatte General Idi Amin in Uganda mit Hilfe des Militärs die demokratische Regierung gestürzt und ein brutales Regime errichtet. In seiner fast acht Jahre andauernden Diktatur ließ er mehrere hundertausend Menschen von seiner Sicherheitspolizei ermorden und etwa 70.000 Einwohner asiatischer Abstammung vertreiben.

In dieser Zeit durfte die neunjährige Zarina Bhimji das Haus, in dem sie lebte, zwei Jahre lang nicht verlassen. Die Angst vor Amins Truppen war groß.

1974 floh Bhimji mit ihrer Familie nach London. Erst 24 Jahre später kehrt sie mit einer Kamera ausgerüstet in das Land ihrer Kindheit zurück.

Die Bilder dieser Reise zeigen Spuren, welche die Gewaltherrschaft und der Terror in der Landschaft und den Menschen hinterlassen haben. Mit diesen Aufnahmen gewann Zarina Bhimji den EAST International Preis der Norwich Gallery.

„Sie hatten meine Welt auf den Kopf gestellt, mich meiner Tante beraubt, bei der ich aufwuchs, mich zurückgelassen und meine Kindheit in eine unerwartete Richtung geschickt,“ schreibt sie in einem Text zur Norwich Ausstellung.

Bis heute bestimmen Tod, Gewalt, die Verletzlichkeit des Menschen, seiner Psyche und seines Körper die Themen in Bhimjis Arbeiten. „Sie handeln von Verlust und von der Erfahrung und der Sprache des Schmerzes,“ schreibt sie in einem Artikel im Magazin The Lancet.

In einer Installation befestigt sie unter der Saaldecke 85 Kinderjacken, die alle Brandflecken aufweisen.

1993 interviewt sie Menschen, die mit einem Partner anderer Hautfarbe verheiratet sind und mit Vorurteilen zu kämpfen haben.

Sie fotografiert diese Leute mit einer Belichtungszeit von einer halben Stunde. Sie hoffe, sagt sie damals, dass die unscharfen Aufnahmen das allgemeine Vorurteil genetischer Vorhersehbarkeit ausradieren würden.

Die Porträts präsentiert Bhimji in einer Ausstellung an zwei gegenüberliegenden Wänden zwischen schlichten Regalen. Auf der linken Seite sieht man Schwarzweiß-Aufnahmen, rechts Farbbilder.

Sie verweisen auf die entpersonalisierende Art, mit der Institutionen gewöhnlich Menschen verwalten. Die Trennung von Farbe und Schwarzweiß dokumentiert die Deklassierung nicht-westlicher Menschen, wie sie in den Eugenik-Theorien bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelt wurden.

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