Menos, Mas

Die 1959 in Madrid geborene Sängerin Ana Torroja ist in Deutschland weitgehen unbekannt, was erstaunlich ist, da sich spanisch-sprachige Popmusik einer zunehmenden Beliebtheit erfreut. Andererseits mag sie für eine internationale Karriere nicht spektakulär genug sein. Ihre Musik passt auch weder so recht zu Mallorca noch – nicht nur wegen ihrer Herkunft – in die Latino-Schublade der lateinamerikanischen Superstars.

Torroja war ehemals Sängerin der Gruppe MECANO, eine Art spanische ABBA-Version. Vor fünf Jahren startete sie mit „Puntos Cardinales“ ihre hoffnungsvolle Solokarriere. Mit dem Nachfolger „Pasajes De Un Sueno“ konnte sie alle gesetzten Erwartungen sogar noch übertreffen. Die Single „Ya No Te Quiero“ war damals im spanischen Radio nahezu stündlich zu hören.

Torroja macht einfache, spanische Popmusik, die sich vom gängigen Pop jedoch sehr unterscheidet, weil sie das gewisse Etwas hat. Torroja bedient sich diversen Musikstilen, manchmal Jazz, Rock und auch Lation-Rhythmen, die sie dann zu einem Torroja-Sound verschmilzt. Während gängige, melodiöse Popmusik sich binnen wenigen Wochen abnutzt, so lässt sich diese Musik auch noch nach Jahren hören.

Mit „Fragil“ kehrt Torroja nun nach dreijähriger Unterbrechung zurück. Die CD beginnt dann auch da, wo „Pasajes De Un Sueno“ aufgehört hatte. Der erste Song, „Con Solo Un Beso“, ist etwas rockiger, etwas ausgereifter, wobei bei „ausgereift“ die Gefahr besteht, dass dann auch der Charme des Vorgängeralbums verloren geht. Das zarte, melancholische „Libelula“ belehrt uns eines Besseren und ist ein weiterer Anspieltipp. „Viente Mariposas“ hat gar Hitpotenzial.

Es spricht für einen gewissen Mut, dass „Quien Dice“ als Single ausgewählt wurde. Es ist zweifellos der beste Song auf dieser CD, aber auch der ungewöhnlichste. Da hört man elektronische Klänge, als lauere nun ein TripHop Song. Der Refrain kommt dann wieder gewohnt poppig daher.

Würde das Album so weitergehen, ich käme von dem Schwärmen nicht mehr weg. Leider tut es das aber nicht und wenn man ganz ehrlich ist, so kann man – grob gesagt – hier die Replay-Taste nutzen und die restlichen zehn Lieder zehn Lieder sein lassen. Die klingen nach durchschnittlichem amerikanischen „Singer/Songerwriter“-Kompositionen, wie es sie leider zur genüge gibt. Sie sind nicht wirklich schlecht, aber wer möchte Musik, die „nicht schlecht“ ist. Völlig überflüssig ist allerdings die Coverversion von Pink Floyds „Wish You Were Here“, die ohnehin gerade von Wyclif Jean zerlegt wurde.

Vielleicht hört sich das alles ein wenig zu miesepetrig an. Von dem Album ist nicht grundsätzlich abzuraten, denn Torroja hebt sich immer noch von der breiten Popmasse ab. Man neigt eben immer dazu, ein Werk mit seinem direkten Vorgänger zu vergleichen. Und mit jenem ist Torroja ein selten schönes Album gelungen, das hier völlig zu Unrecht unbekannt geblieben ist. Wer gute spanische Popmusik will, der kaufe sich „Fragil“, wer etwas ganz Besonderes will, der besorge sich „Pasajes De Un Sueno“.

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