Es schimmert und glüht

Psychedelische Musik ist vor allem in Los Angeles zu Hause. Aus dieser Szene ging 1990 Mazzy Star hervor, die in den folgenden Jahren drei Alben veröffentlicht und sich bis heute nicht offiziell aufgelöst haben, wenn auch mittlerweile Sängerin Hope Sandoval solo und in diversen Nebenprojekten (Jesus & Mary Chain, Chemical Brothers) zu hören ist.

Ende der 80er Jahre war in Los Angeles die Undergroundband ain Parade sehr beliebt. David Roback, Gitarrist und Keyboarder der Band trennte sich 1990 von seinen Kollegen, um mit Kendra Smith, ehemals Dream Syndicate, das Projekt Opal zu gründen. Smith brachte Roback mit Hope Sandoval zusammen, die eigentlich noch zur Schule ging und nun in Opal integriert wurde.

Während einer Tournee kam es zum Streit. Smith verließ überraschend die Band, so dass Sandoval den Leadpart übernahm. Opal wurde nach dem Ende der Tournee aufgelöst. Roback und Sandoval gründeten Mazzy Star.

Mazzy Star war von Beginn an ein Duo. Die anderen Bandmitglieder waren nur für die Begleitmusik zuständig. Alle Ideen kamen von Roback und Sandoval, ein äußerst schweigsames, kühles Paar. Die Medien waren den beiden ein Groll. Von Beginn mieden sie Interviews und wenn sie welche gaben, waren sie äußerst wortkarg. Selbst auf der Bühne wirkten sie merkwürdig distanziert.

„Among My Swan“ ist das dritte Album der Band und es scheint fast so, als hätten sie auf dieses Werk immer hingearbeitet. Mazzy Stars Stärken, die hauchende, sanfte Stimme von Sandoval, der fast hypnotische, langsame Gitarrensound und die depressiven, sehr bilderreichen Texte sind hier in ihrer Vollendung zu hören.

„Sleep inside. Ocean has miles. It shimmers and it glows. For some people. I know it shines.“ So lautet der Text eines Titels, der ausgerechnet ‚Happy‘ heißt. Oft geht es um Liebe, um unglückliche Liebe, doch wie die Texte sind auch die Themen nur scheinbar einfach.

Die Liebe ist der Ausgangspunkt einer poetischen Bilderwelt, die sich nur sehr langsam öffnet. Es ist, als würde man eingesogen in ein 13 Lieder dauerndes Unglück und paradoxerweise fühlt man sich auch noch wohl dabei. Die traurigsten Alben sind bekanntlich immer die schönsten. Und gerade deshalb ist „Among My Swan“ nach wie vor ein viel zu wenig bekanntes, selten erreichtes Meisterwerk.

Foto von Ravi Kant von Pexels