Rückkehr der nordischen Barden

Die Biographe dieser Gruppe ist fast so interessant wie ihre Musik. 1983 gründeten Sari and Mari Kaasinen ein Jugendprojekt. Die Jugendlichen aus dem finnischen Dorf Rääkkylä im Südosten des Landes sollten zusammenkommen, um karelische Gedichte zu zitieren, dazu Kantele zu spielen und zu singen.

Karelisch ist ein alter Dialekt, der in der Region gesprochen wird. Die Kantele ist das finnische Nationalinstrument aus der Familie der Zither. Die Sangesgruppe kam so gut an, dass sie bald 21 Mitglieder hatte. Sie versuchte, alte, karelische Volkslieder zu spielen und neu zu interpretieren.

Värttinä, so nannten sie sich, nahm zwei Alben auf, „Värttinä“ (1987) und „Musta Lindu“ (1989). 15 Mädchen spielten Kantele und sangen, sechs Jungs spielten die Begleitinstrumente: Gitarre, Bass, Geige, Akkordeon, Saxophon und Flöte. 1990 hatte sich die Gruppe weitgehend aufgelöst. Nur Sari und Mari Kaasinen, Janne Lappalainen sowie Kirsi Kähkönen waren von den Gründungsmitgliedern übrig. Sie holten sich Unterstützung aus der professionellen finnischen Folk- und auch Rockszene.

Entsprechend war „Oi Dai“, das Album von 1991 rockiger. Es bedeutet den internationelen Durchbruch der Gruppe. Es folgten zahlreiche weitere Alben, die Besetzung wechselte ständig. Heute besteht Värttinä aus dem Gesangstrio Susan Aho, Johanna Virtanen und Gründungsmitglied Mari Kaasinen.

Der Saxofonist Janne Lappalainen und der Geiger Lassi Logren sind die zwei weiteren Gründungsmitgliedern. Sie werden unterstützt von Hannu Rantanen, einem bekannten finnischen Jazzbassistes, von Markku Lepistö am Akkordeon, Jaakko Lukkarinen, Percussion, und Antto Varilo, Gitarre.

Värttinä erzeugten auf ihren Alben eine einmalige Atmosphäre, die an bulgarische, arabische, irische oder auch jüdische Volksmusik erinnert. Klagende Runengesänge mit Klezmer-, Folk-, Jazz- und Rockelementen, meist sehr schnell vorgetragen. Das neue Album ist sanfter, folkiger, poppiger, auch fröhlicher.

Es erreicht nicht die Intensität des brillanten „Ilmatar“, dürfte aber dennoch die Weltmusikcharts stürmen wie alle anderen Alben.

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